GREGOR WOLLNY (D)

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Ich heiße Gregor Wollny und möchte mich vorstellen. Meine Geburt fand am 24.05.78 in Potsdam statt. Obwohl ich mich nicht mehr sehr gut erinnern kann, glaube ich, ich war noch sehr klein. Kurz nachdem ich auf der Welt war, wurde ich nach Weimar umgezogen, wuchs dort weiter auf und bin 1984 eingeschult worden.
Meine Einschulung erfolgte an einem Samstag, am Sonntag weckte ich um 6 Uhr mit fertiger Schultasche meine Eltern, weil man mir gesagt hatte, ich müsste nun jeden Tag in die Schule gehen. Meine Eltern waren begeistert.
Im selben Jahr, kurze Zeit später wurde ich Jungpionier und trug mit Stolz das blaue Halstuch, später wurde ich Thälmannpionier und auch das rote Halstuch trug ich mit Stolz,  bevor ich aber mit Stolz der FDJ beitreten konnte, ereignete sich 1989 die Wende. 1990 war ich zwölf Jahre alt und wie alle anderen schon immer dagegen gewesen. Vierzig Jahre hatten sie mich betrogen.
Meine Jugend begann, Mädchen hörten auf zu nerven und wurden interessant. Ich beschloss Künstler zu werden, wusste aber nicht  mit was. Als ersten Versuch gründete ich ein Blockflötenduo, ich spielte die erste Stimme und meine Schwester musste mich begleiten. Irgendwie hoffte ich, das würde die Mädchen beeindrucken, was aber nicht der Fall war. Immerhin verdiente ich viel Geld mit Straßenshows, wir spielten solange in der Fußgängerzone, bis die Ladenbesitzer fünfzig Mark gesammelt hatten und uns baten, das Geld zu nehmen und nicht länger ihre Kundschaft zu vertreiben.
Richtige Kunst war das natürlich nicht, ich war ratlos. Eines Tages kam mir der Zufall zu Hilfe, als ich drei Jonglierbälle in einem Spielzeuggeschäft entdeckte. Jonglieren galt damals in Weimar als Kunst und ich war froh, endlich meine Aufgabe gefunden zu haben. Leider sammelten die Ladenbesitzer jetzt kein Geld mehr, sie warfen einfach eine große Decke über mich, schon störte ich nicht mehr.
Ich trainierte sehr viel. Mein Abitur fing dadurch an sich um sich selbst zu kümmern und überraschte mich im Sommer 1997 mit der phänomenalen Durchschnittsnote  von 2,7. Jetzt war ein neuer Lebensabschnitt angebrochen, als Zivildienstleistender getarnt nahm ich eine Stelle als Kinderdompteur in einem Kölner Kindercircus an. Die damals erworbenen Erfahrungen nutzen mir in meinem Wohnbezirk Neukölln noch heute. Ich trainierte immer noch täglich ,wurde aber nach und nach von Zweifeln über die Richtigkeit meines Weges befallen. Trotz intensiver Suche war es mir bis jetzt nicht gelungen, Jonglierbälle zu finden, die nicht herunterfallen. Dieser Umstand stürzte mich immer öfter in tiefe Schaffenskrisen und Jonglierblockaden.
Trotzdem versuchte ich mein Ziel mit Hilfe einer professionellen Ausbildung an einer Circusschule doch noch zu erreichen. Nach europaweiter Suche wurde ich als Schüler an der “Etage-Schule für darstellende Künste” in Berlin zugelassen. Hauptkriterium der Aufnahmeprüfung war die Fähigkeit,  500 Mark Schulgeld monatlich aufzutreiben, was ich erfolgreich bestand.
Voll Motivation warf ich mich in meine neue Aufgabe, wurde aber bald schwer enttäuscht. Ich erfuhr, dass Jonglieren gar keine Kunst ist, Jongleure werden nur diejenigen, die für die eigentlichen circensischen Künste zu ungelenkig oder zu schwach waren. Das verschlug mir die Sprache. Meine gesamte Jugend war ich einer Illusion hinterher gejagt.
Derartig sprachlos suchte ich nach einem neuen Betätigungsfeld. In meinem Zustand blieb mir  nur Pantomime, eine andere Fachrichtung der Etage. Dort musste ich nicht viel sagen, außerdem war die Abteilung Pantomime so ein bisschen das betreute Wohnen unter allen Studienrichtungen. Bald bekam ich auch erste Engagements angeboten, unter anderen eine Zusammenarbeit mit Daniel Barenboim an der Staatsoper Berlin. Später war ich aber sehr enttäuscht, weil man meinen Namen im Programmheft versehentlich unter den Statisten angegeben hatte.
Im Jahre 2003, nachdem ich erfolgreich meinen Abschluss gemacht hatte, erwartete mich der nächste Schicksalsschlag, meine Eltern stellten die monatlichen Zahlungen ein.  abrupt  ins kalte Wasser geworfen, musste ich so schnell wie möglich mit dem, was ich gelernt hatte, Geld verdienen. Ich arbeitete in vielen Berufen, z.B. als Gemäldeimitator und als Geschichtenerzähler in Gehörloseneinrichtungen. Auch meine Blockflöte leistete mir wieder gute Dienste.
Mit der Jonglage habe ich mich ausgesöhnt, mittlerweile habe ich Jonglierrequisiten erfunden, die nur noch selten oder wenn dann stark verzögert herunterfallen. Ich weiß das ist nur ein erster Schritt, trotzdem gibt er tausenden Jongleuren Hoffnung und mir die Kraft, meinen Weg weiter zu gehen.
“Ich heiße Gregor Wollny und möchte mich vorstellen. Meine Geburt fand am 24.05.78 in Potsdam statt. Obwohl ich mich nicht mehr sehr gut erinnern kann, glaube ich, ich war noch sehr klein.
Als meine Jugend begann, hörten Mädchen auf zu nerven und wurden interessant. Ich beschloss Künstler zu werden, … Ich gründete ein Blockflötenduo, ich spielte die erste Stimme und meine Schwester musste mich begleiten.
Richtige Kunst war das natürlich nicht, ich war ratlos.
Ich arbeitete in vielen Berufen, z.B. als Gemäldeimitator und als Geschichtenerzähler in Gehörloseneinrichtungen, bevor ich mich der Jonglage in einer Art Haßliebe zuwandte. Auch meine Blockflöte leistete mir immer wieder gute Dienste.
Mit der Jonglage habe ich mich ausgesöhnt, mittlerweile habe ich Jonglierrequisiten erfunden, die nur noch selten oder wenn dann stark verzögert herunterfallen. Ich weiß das ist nur ein erster Schritt, trotzdem gibt er tausenden Jongleuren Hoffnung und mir die Kraft, meinen Weg weiter zu gehen.”

20. bis 25.Juli

www.gregor-wollny.de

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