Brandneu
15.Juli 2010
Oh, mein liebes Tagebuch,
heute abend fliegt der Vorhang hoch! Und ich muss wieder etwas zu Kräften kommen, bevor das Karussell sich dreht. Meine andere Bezugsgruppe hat mich doch wieder etwas in Anspruch genommen kurz vor dem tosenden Beginn.
Aber ich freue mich – gestern habe ich durch die Löcher der Tanzbude gelugt: und war schon mal kurz bezaubert. Chris Lynam taumelte herein und Fratelli Fiasco, der alte Mongole, fuhr auf den Platz, setzte seine Brille auf und griff uns beim Jurte-Bau unter die Arme, auch ein Muttis Kind habe ich schon entdeckt.
Lichter und Lichter wurden in die Nacht gepflanzt, der Direktor dirigierte sie – und ich schlummerte hinweg beim Hochschauen.
Doch heute abend kommen sie alle: Peter Shub, Irmgard Knef, Debbsch und Lebbsch, Frei und Willig UND unser Impressario – die Echse!
Seid willkommen!
14.Juli 2010
Holla, der Ohnestrohhalm-Falk und der Direktor sitzen auf der Terrasse und lassen gelassen den Blick schweifen! Hinter ihnen die ersten vielversprechenden Illuminationsversuche und neben ihnen die fleißigen Nachtmaler, die der Treppe einen neuen Anstrich verpassen. Die beiden scheinen selber überrascht, wie sich doch wieder alles fügt – noch eben geschleppt und geastet und nun siehts aus, als wärs von selber so gewachsen …
Der TGL-Lauge geht mit ner Strichliste über den Platz und registiert Normverstöße und zumindest hier sind wir in diesem Jahr wohl rekordverdächtig, wie solls auch anders sein, wenn hier elf Tage lang ein Fest des Andersseins und der Normverstöße gefeiert wird.
Selbst Kompressor-Jim scheint gelassen, auch wenn er noch einen Berg Arbeit vor sich hat. – Wir dürfen uns auf eine verrückte Installation freuen, in der DRAMATEN ihre Kreise ziehen werden. Man darf gespannt sein, denn am Abend hat es dort gewaltig geknallt – und das war bestimmt nicht der Kompressor …
13.Juli 2010
Liebes Tagebuch,
ich habe mich heimlich vom Platz verzogen, mein Alibi bist du. Am liebsten wäre mir eine Siesta, ja, und Recommandeure fächeln mir untertänig Wind zu und reichen Mixgetränke. Indessen schütteln mich aber doch eher Albträume, Jim Whiting in schwindelerregender Höhe auf einer wackligen Leiter und wild mit 16A herumspielen – ich kann da nicht hinsehen. Gebt dem Mann eine Arbeitsbühne!
Aber: es ist toll, er betritt den Raum und schon vibriert es, vor Ideen und wilder Phantasie!
Kleine Anmerkung: Wer eben noch im Programm “Anne Klein” gefunden hat und sich nun wundert, wo die geblieben ist: Manchmal taufen sich Künstler vor oder nach dem SchaubudenSommer um, verbandeln sich oder finden es wichtig, einen Kollegen nicht zu unterschlagen, ihr findet die Anne also nun unter: “Frau Klein und Herr Herrmann”
12.Juli 2010
Liebes Tagebuch,
mannomann – der Tag steckt mir in den Knochen, Schrauben, Schleppen, Schwitzen – so schön kann SchaubudenSommer sein! Das Thermometer dreht durch, doch der Direktor hält das Zepter fest in der Hand – auch wenn die Aufbau-Crew hitzegeschwächt Schwachsinn lallte. Als Motivationsbeschleuniger brachte er Himbeer-Torte mit, mit der sich prompt beworfen wurde. -
Und dann kam meine andre Bezugsgruppe aus dem Urlaub, mit der es nächste Woche in der Turnhalle rundgehen soll. Die kamen ja von einem völlig anderen Planeten! Morgen kommt noch Jim dazu, der Mann, dem ein Schraubenschlüssel in die Wiege gelegt wurde …
Die Susi hat ihr kleines schönes Zelt aufgebaut und eine Regisseurin angeheuert, juhu, es wird eng und geschäftig!!!
10.Juli 2010
Liebes Tagebuch,
wieviel Liter Schweiß produziert eigentlich der Schaubuden-Aufbau? Ich dachte heimlich darüber nach, ihn abzufüllen und aus dem Cora-Frost-Wohnwagen als Wunderwasser zu verkaufen. Der Direktor war dagegen, und er hat wohl wieder recht, wir tränken lieber das Gelände mit diesem herrlichen Saft und schauen, was da wächst.
Gestern war der große Tag des Akkuschraubenschmeißers, herrlich, was für Kräfte hier frei gesetzt werden. Ach, es lebe die wunderbare Sommerzeit!
Die Cora kann es gar nicht erwarten und wir drücken alle die Daumen, dass Heinz mitkommen kann!!! Bei den Proben des Verbrecherabends weigert er sich, Cora zu erschiessen: “Nein, ich erschiesse dich nicht!! Nein nein nein nein.” Na, solcherlei Art der Arbeitsverweigerung lass ich mir gefallen! – Anne und ihr Helfer bauen seit Tagen an ihrem Waldhaus, ich muss an meine Kindertage denken: Kellerverschläge, die einen erschauern lassen und Butzen bauen … Alissa war schon auf dem Platz und hat gekichert und sich ein Zelt ausgesucht – es geht voran – die Zelte stehen, der Himmel wächst, die Wendeltreppe wird projektiert. Wir drücken dem Projektanten alle Daumen!!!
06.Juli 2010
Liebes Tagebuch, liebe heimliche Leser,
ganz im Vertrauen, ich bin müde und ziemlich alle. Ich geh einfach schlafen und träum was Schönes, zum Beispiel von einer Wendeltreppe im Festival-Café, auf der lasziv die Cora einer andern Diva applaudiert und von der der Herr Direktor geniesserisch das Treiben verfolgt – Ach ja. Das wäre schön.
Und morgen wieder: Wunder bauen mit Schraubenschlüssel, Wasserwaage und herrlichen verquirlten Gedanken. – Bis dahin. Der Hans.
05.Juli 2010
Liebes Tagebuch!
Hacki Ginda ist doch nicht verschollen! Seit anderthalb Monaten war der Mann nicht zu erreichen, was ist passiert??? Ich sprang im Achteck, nur der Direktor ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Und heute das Signal der abgebrühteste Clown nördlich des Spreewalds hat sein Telefon auf dem Flughafen in Seattle verloren und nun ist er wieder da! Mit Telefon, mit Rucksack mit Brille und Hut! Hey, Hacki, wir freuen uns auf Dich!

01.JULI 2010
Oh yeah, mannomann, es fängt ahan! – Der Direktor ist nicht zu fassen, ein riesiges Sonnenschutzdach hat er für die unermüdlichen Schaubuden-Errichter aufgestellt, damit sie nicht dummen Hitzeschlägen erliegen. Er durchmisst das Gelände mit großen Schritten, glotzt prinzipalisch Löcher in den Himmel und wer in ihn hineinsehen könnten, in den großen Meister, oh, der könnte dort wohl die herrlichsten Theater-Zelt-und-Phantasie-Gespinste erblicken. Doch noch ist alles kahler Platz um uns herum, und der Direktor schnipste zunächst einmal ein Dach aus dem Erdboden – und sah, dass es gut war.

25.Juni 2010
Liebes Tagebuch!
Ich bin ganz aus dem Häuschen. irgendwie gehts los, auf einmal. Gerüstbauer stehen auf dem Platz und wollen ein Dach bauen. Der Direktor hat mich zum Außendienst in die Hauptstadt abkommandiert, mal schauen, was sich von der Weltstadt abgucken ließe für unser Fest. Die erhellende Erkenntnis war: Die Hauptstadt hat vieles zu bieten und ist eine immer wieder verlockende kleine weltoffene Schlampe, aber da gibt’s nix abzugucken. Dann haben mir unsere chilenischen Lieblingskünstler in Lichtenberg tonnenweise spanische Weidenruten aufs Auto geworfen und ab da damit nach Dresden.
Und morgen kommt Kompressor-Jim, um sich seinen Spielplatz anzuschauen, auf dem er sich austoben darf, eine ganze Turnhalle. Ich halte zitternd den Schlüssel in den Händen … und kann es kaum erwarten, dem Meister der Schraubenschlüssel und Luftschläuche beim Fantasieren zu zu schauen.
Ich werde die Erlebnisse frisch in die Tastatur hauen!
Bis morgen, der nimmermüde Hans Grimmig.
23.Juli 2010
Troupe Neverporn aus St Petersburg hat schon mal Holland unsicher gemacht! Nun sind sie auf dem Weg zu uns. – Ein Gruppenfoto von der Holland-Tour:
